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Sonntag, 11. Oktober 2020

Bürgersaal

 



vorgestern bin ich mal wieder nach München gefahren. Mit dem Zug und mit Maske, also dem Mund-Nase-Schutz, der in öffentlichen Verkehrsmitteln vorgeschrieben ist. Die Corona-Fallzahlen steigen stetig weiter und wir sind in Deutschland am 209. Tag der Pandemie bei 3700 Neuinfektionen pro Tag angekommen. Da würde es durchaus Sinn machen, weiterhin Abstand zu halten, aber ...



... es ist wieder Leben auf den Straßen. Mancher versucht, mit ein paar Kunststücken sich etwas dazu zu verdienen, andere hoffen einfach so auf spendable Passanten aber die Meisten sind hier eher auf der Suche, wie sie am Besten ihr Geld ausgeben können. Wie wäre es denn einmal mit Sektgläsern aus echtem Silber?



Was wohl die Frau im Rollstuhl davon halten würde?



Um diesem dekadenten Trubel zu entfliehen, bin ich kurz in die Bürgersaalkirche gegangen.



Hier liegt der 1978 selig gesprochenen Jesuitenpater Rupert Mayer begraben und es kommen täglich viele Menschen an sein Grab. Mayer trat in der Zeit des Nationalsozialismus entschieden für die Rechte der Kirche und für die Religionsfreiheit ein und nachfolgendes Gebet ist von ihm überliefert:



Herr, wie Du willst, soll mir gescheh’n,

Und wie Du willst, so will ich geh’n.

Hilf Deinen Willen nur versteh’n.


Herr, wann Du willst, dann ist es Zeit,

Und wann Du willst, bin ich bereit.

Heut und in alle Ewigkeit.


Herr, was Du willst, das nehm’ ich hin,

Und was Du willst, ist mir Gewinn.

Genug, dass ich Dein Eigen bin.


Herr, weil Du’s willst, d’rum ist es gut,

Und weil Du’s willst, d’rum hab’ ich Mut.

Mein Herz in Deinen Händen ruht.

Samstag, 29. April 2017

Michael Jackson in München



In München gibt es ein Orlando-di-Lasso-Denkmal. Ihr wisst schon, das ist einer der bedeutendsten Komponisten der Renaissance. Seine Werke hören wir heute eher mehr in der Kirche als im Radio. Er ist ja auch schon vor über 450 Jahren in München verstorben.



Sein Denkmal befindet sich gegenüber vom Hotel Bayerischer Hof und dort war auch ein anderer Komponist und Sänger zu Gast, wenn er in München Konzerte gab, nämlich Michael Jackson.



Seit seinem Tod am 25. Juni 2009 versammeln sich hier am Denkmal seine Fans, um sich zu erinnern. Und so haben sie dieses Denkmal einfach umfunktioniert und der Ort ist zu einer Pilgerstätte für die Fans des King Of Pop geworden. Sie bringen Blumen, hinterlegen Bilder und zünden Kerzen in seinem Gedenken an. 

 

Diese Gedenkstätte ist natürlich nicht offiziell anerkannt und es regt sich auch Widerstand gegen die Umnutzung des Denkmals. Vielleicht aber ist diese Form der Huldigung des Popstars eine ehrliche Art seiner Fans, ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen. An einem Ort für jedermann, der aus dem Nichts entstanden ist und der so lange bestehen bleibt, wie die Michael Jacksons Anhänger ihn eben brauchen, um die Erinnerung wach zu halten.



Freitag, 3. Februar 2017

Sonnenblumen



Eigentlich hatte ich geplant, ein paar Tage in meine alte Heimat zu meinen Eltern zu fahren, aber die dortigen Wetterverhältnisse mit Eisregen und
Schneebergen auf den Straßen haben uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. 



Daher setzen wir uns heute in den Zug, der uns nach München brachte. In der Neuen Pinakothek bewunderten wir u.a. die Sonnenblumen von Vincent van Gogh und waren so in unserer Vorstellung in der sommerlichen Provence, statt im regengrauen Deutschland.
Die leuchtend gelben Blumen versinnbildlichen die Sonne, die der Künstler als Symbol des Lebens verstanden hat und bezeugen die Idee eines sinnvollen und glühenden Leben.



Sonntag, 14. Dezember 2014

Uschebtis


Im Ägyptischen Museum München kann man sich in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen einen Überblick über 5000 Jahre Kunst und Kultur des alten Ägypten verschaffen. Das habe ich heute nachmittag mit Freunden getan. Das erste Bild zeigt den Oberteil des Sarges von Sat-Djehuti (17.Dynastie um 1575 v.Chr.) und hier seht ihr Uschebtis. 


Das sind kleine, mumiengestaltige Figuren, die dem Toten als Grabbeigaben mitgegeben wurden und mit deren Hilfe der Verstorbene dann seinen Arbeitsverpflichtungen im Jenseits nachkam. Diese bestanden im von der Landwirtschaft geprägten Ägypten aus entsprechenden Tätigkeiten. 


Die Uschebtis sind daher mit Hacken zur Auflockerung des Ackerbodens und mit Säckchen für Saatgut versehen. Zunächst verfügte der Verstorbene lediglich über ein einziges Uschebti, das als sein Stellvertreter aufgefasst wurde. Später verstand man die Uschebtis als Dienerfiguren und ihre Zahl wuchs bis auf 365 Stück an. Für jeden Tag ein Uschebti. Wie praktisch.

Hier noch zwei Bilder vom ägyptischen Totenbuch. Dies ist ein Jenseitsführer, der den Verstorbenen mit der Unterwelt vertraut machen und vor Gefahren schützen soll. Die ägypt. Bezeichnung lautet: „Sprüche vom Herausgehen am Tage“.

Der Glaube an ein Jenseits ist im alten Ägypten tief verwurzelt. Dabei geht es um die Überwindung des Todes und ein jenseitiges Leben, bei der die Sonne als Inbegriff des ewigen Kreislaufs des Lebens im Mittelpunkt steht. Auf dem Weg zum ewigen Leben durchquert der Verstorbene, wenn er die Prüfungen durch das Jenseitsgericht bestanden hat, die von der Nachtsonne erhellte Unterwelt und wird mit dem Sonnenaufgang neu geboren. Nicht ein finsteres Totenreich erwartet ihn, sondern das Gefilde der Seligen unter der ewig strahlenden Sonne.

Mittwoch, 22. Januar 2014

Frau Percht




Momentan ist hier in Deutschland ziemlich scheußliches Wetter und seit langer Zeit ist auch keine Sonne mehr zu sehen. Daher habe ich einen Ausflug nach München ins Jagd- und Fischereimuseum gemacht. Früher war das die Augustinerkirche, die im Jahre 1802 säkularisiert wurde. Also wundert Euch nicht, wieso ihr einen Riesenhirsch in der Kirche seht.




Es gibt hier auch den Stoßzahn von einem Narwal, der früher als das Gehörn des sagenhaften Einhorns galt. Dieses wilde Tier konnte der Sage nach von einem Jäger nur gefangen werden, wenn es seinen Kopf in den Schoß einer Jungfrau legt.



Der Anlass meines Museumsbesuches war allerdings die momentane Krampus- und Perchten-Sonderausstellung, die laut Ankündigung für brave Besucher völlig gefahrlos ist.




Der Krampus ist der teuflische Begleiter des Hl. Nikolaus, der mit seiner dämonischen Erscheinung den „schlechten Zeitgenossen“ Furcht einjagen sollte.  Das versucht er schätzungsweise seit dem 15. Jh. und damit ihm das auch gelingt, hat er nicht nur ein dichtes Fell, einen zotteligen Schwanz und lange Krallen, sondern auch noch Hörner und eine lange rote Zunge. Um die Hüfte trägt er einen Gurt mit Glocken, um sein Kommen mit dem nötigen Lärm anzukündigen. Außerdem hat er eine Kette, die zeigt, dass er wie Luzifer an die Hölle angekettet und für immer verdammt ist.




Frau Perchta ist das weibliche Pendant zum Krampus, die über die Einhaltung der kirchlichen Fastengebote wachte und Verfehlungen mit martialischen Strafen ahndete. Sie hatte ein kritisches Auge auf faule Mägde, daher wurden vor Weihnachten die Höfe besonders herausgeputzt, um der dämonischen Gestalt keinen Anlass zum Groll zu bieten.
 

Für die unangenehme Zeit des Winters machten die Menschen damals die bösen Wintergeister verantwortlich. Frau Percht sollte nun die Schrecken des Winters vertreiben und neue Hoffnung auf den kommenden Frühling wecken. Dann hoffe ich mal, dass ihr das gelingt und wir bald wieder schönes Wetter haben. :-)