Donnerstag, 31. Juli 2014
secret heart
Im Augsburger Gaskessel ist noch bis Mitte September ein überdimensionales Herz zu sehen, welches inmitten des dunklen Gaskesselraumes schwebt. Konzipiert und installiert hat es der katalanische Künstler Jaume Plensa. Das Herz hat einen Durchmesser von 27 Metern und es braucht einen halben Tag um dieses anatomische Modell aus Tuchmaterial mit Luft zu füllen. Zu der Ausstellung unter dem Titel „the secret heart – das Geheimherz“ gehört eine Soundinstallation, die den Betrachter in den Herzschlag mit hinein nimmt. Aus zwölf Lautsprechern sind Menschen zu hören, die quasi im Sekundentakt von Eins bis Sechzig zählen. Es sind ca. 100 verschiedene Stimmen von Augsburgern verschiedenen Alters und Herkunft. So entsteht ein Klangmosaik, welches das schwebende Herz gleichsam einhüllt und zum Leben erweckt.
Das Herz im Gaskessel erinnert mich an den Bibeltext, den ich vergangenen Sonntag gehört habe. Da hatte der König Salomo bei Gott einen Wunsch frei, und was hat er sich gewünscht? – „ein hörendes Herz, welches das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht."
In der Bibel ist das Herz nicht nur die Pumpstation für das Blut in den Adern, sondern es ist das Innerste des Menschen, seine eigentliche Personmitte; es ist der Sitz seiner Entscheidungen und Willensentschlüsse.
"Es gefiel dem Herrn, dass Salomo diese Bitte aussprach. Daher antwortete ihm Gott: Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast und nicht um langes Leben, Reichtum oder um Tod deiner Feinde, sondern um Einsicht gebeten hast, werde ich deine Bitte erfüllen.“ (1 Kön 3, 5.7-12)
Wie schön wäre es, wenn alle Menschen so weises und verständiges Herz wie der König Salomo hätten …
Sonntag, 20. Juli 2014
Lebenszeichen
da ich mich schon länger nicht mehr gemeldet habe, gibt es hier mal wieder ein kurzes Lebenszeichen von mir. vielleicht gibt es ja doch jemanden, der diesen blog liest ;-)
Momentan sitze ich auf dem Balkon, die Sonne ist schon untergegangen aber leider gibt es nicht so einen schönen Sternenhimmel wie vor einem halben Jahr in Israel in der Wüste. Bei den momentanen miliärischen Auseinandersetzungen in Israel sind meine Gedanken da unten bei meinen Freunden, die da leben...
Monika ist letzte Woche eine Elektrode in die Wirbelsäule eingesetzt worden, um die Nerven gezielt gegen die Schmerzen zu reizen. Die OP war erfolgreich und morgen wird der Impulsgeber noch einmal abgetrennt, bevor er endgültig implantiert wird...
Ich habe derzeit ein paar Termine, um mich auf meinen neuen Job vorzubereiten, den ich im September beginnen werde...
Und dann habe ich meinen alten Rechner, der bisher noch unter Windows XP lief, platt gemacht und auf Linux umgestellt. Dabei sind leider meine gesammelten mail-adressen auf der Strecke geblieben. Also, wer gern weiterhin auch persönlich mit mir per mail in Kontakt bleiben möchte, schickt mir am Besten sofort eine mail zurück...
Ich wünsche Euch einen guten Start in die Woche.
Michael.
PS. hier noch ein Lebenszeichen von Gerhard Schöne:
'Ne große Tüte Sonnenblumenkerne
schaff' ich mir noch an
und wo die Gegend öder als öd' ist, verstreu ich sie dann.
Es wachsen lauter duftende Sonnen
langsam heran
zwischen den Klötzern und Mauern
dann irgendwann.
Und ein Lampion will ich mir noch kleben
aus Seidenpapier.
Wenns draußen dunkelt will ich's entzünden,
dann leuchtet es mir.
Vielleicht werd ich dabei etwas singen,
fröhlich gelaunt.
Und wer mich sieht wird sich wundern
oder er staunt.
'Ne schöne Flaschenpost will ich bauen
und werf sie ins Meer.
Vielleicht, wenn ich schon gar nicht mehr lebe,
dann findet sie wer.
Auf dem Papier das er dann entfaltet
sage ich ihm:
"Lass dir die Träume nicht nehmen,
god bless your dream!"
Momentan sitze ich auf dem Balkon, die Sonne ist schon untergegangen aber leider gibt es nicht so einen schönen Sternenhimmel wie vor einem halben Jahr in Israel in der Wüste. Bei den momentanen miliärischen Auseinandersetzungen in Israel sind meine Gedanken da unten bei meinen Freunden, die da leben...
Monika ist letzte Woche eine Elektrode in die Wirbelsäule eingesetzt worden, um die Nerven gezielt gegen die Schmerzen zu reizen. Die OP war erfolgreich und morgen wird der Impulsgeber noch einmal abgetrennt, bevor er endgültig implantiert wird...
Ich habe derzeit ein paar Termine, um mich auf meinen neuen Job vorzubereiten, den ich im September beginnen werde...
Und dann habe ich meinen alten Rechner, der bisher noch unter Windows XP lief, platt gemacht und auf Linux umgestellt. Dabei sind leider meine gesammelten mail-adressen auf der Strecke geblieben. Also, wer gern weiterhin auch persönlich mit mir per mail in Kontakt bleiben möchte, schickt mir am Besten sofort eine mail zurück...
Ich wünsche Euch einen guten Start in die Woche.
Michael.
PS. hier noch ein Lebenszeichen von Gerhard Schöne:
Ein kleines Flugzeug will ich noch falten,
ich hab schon geübt.
Auf seine Flügel schreib ich die Botschaft:
"Gut, dass es dich gibt!"
Im Kaufhaus lasse ich es dann fliegen,
voll ins Gewühl.
Nach einer lässigen Runde
findet's ein Ziel.
ich hab schon geübt.
Auf seine Flügel schreib ich die Botschaft:
"Gut, dass es dich gibt!"
Im Kaufhaus lasse ich es dann fliegen,
voll ins Gewühl.
Nach einer lässigen Runde
findet's ein Ziel.
'Ne große Tüte Sonnenblumenkerne
schaff' ich mir noch an
und wo die Gegend öder als öd' ist, verstreu ich sie dann.
Es wachsen lauter duftende Sonnen
langsam heran
zwischen den Klötzern und Mauern
dann irgendwann.
Und ein Lampion will ich mir noch kleben
aus Seidenpapier.
Wenns draußen dunkelt will ich's entzünden,
dann leuchtet es mir.
Vielleicht werd ich dabei etwas singen,
fröhlich gelaunt.
Und wer mich sieht wird sich wundern
oder er staunt.
'Ne schöne Flaschenpost will ich bauen
und werf sie ins Meer.
Vielleicht, wenn ich schon gar nicht mehr lebe,
dann findet sie wer.
Auf dem Papier das er dann entfaltet
sage ich ihm:
"Lass dir die Träume nicht nehmen,
god bless your dream!"
Sonntag, 6. Juli 2014
Allerheiligen (188 km)
In der Nähe von Jettingen-Scheppach, im Naturpark Augsburg – westliche Wälder, steht eine Allerheiligenkirche. Diese war gestern ein Etappenziel auf der Motorradtour mit meinen Augsburger Motorradfreunden. Die Kirche befindet sich abseits der Ortschaft auf dem heiligen Berg (dem „Holgen“ wie man hier sagt) und zu ihr führen 100 Stufen durch einen mystischen Wald hinauf.
Direkt neben der Kirche gibt es einen kleinen Kalvarienberg, um den sich 13 Kreuzwegstationen gruppieren. (Hier gibt es auch eine 14. Station, die an die Auffindung des Kreuzes durch die Kaiserin Helena erinnert.) Steht man in gewissen Abstand vor der Kreuzigungsgruppe, so befindet man sich direkt im Mittelpunkt des Kreises, den die Kreuzwegstationen bilden. Auf diese Weise wird jeder, der auf das Kreuz Christi schaut, selbst zum Mittelpunkt des Heilsgeschehens.
In der Kirche, die eine der ältesten Wallfahrtkirchen im schwäbischen Raum ist, befinden sich außergewöhnliche Fresken aus dem Jahre 1770, die u.a. das Leben Jesu zeigen, wie man es sich wohl damals vorgestellt hat: Der kleine, 12-jährige Jesus versetzt die Schriftgelehrten in Erstaunen (obwohl er wahrscheinlich noch gar nicht lesen kann und manche der Gelehrten nur mit Brille). Und der Raum, in dem sich Jesus mit den anderen dargestellt ist, hat große Ähnlichkeit mit der Kirche, in der ich mich gerade befinde. So wird auch hier wieder deutlich, dass sich das damalige Geschehen im Hier und Jetzt wiederholt.
„Jesus saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten...
Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden nicht…
“ (Lk. 2, 46f)
... und wir versehen nicht.
Dienstag, 1. Juli 2014
Ende einer Urlaubsreise
Nach 20 Tagen mit dem Motorrad unterwegs quer durch
Deutschland bin ich gestern wieder zu Hause in Augsburg eingetroffen. Insgesamt
habe ich dabei 2850 km zurückgelegt und dabei viel interessantes und
schönes gesehen. Aber das Wichtigste dabei war für mich das Wiedersehen mit
Freunden, Verwandten und Bekannten aus alten Tagen. Es waren gute Begegnungen
und es gab viel zu erzählen, da ich manche von ihnen schon länger als zehn Jahre
nicht mehr gesehen hatte.
Die Reise hat ein paar Abweichungen von dem Verlauf bekommen, wie ich ihn mir ursprünglich grob vorgestellt hatte, aber das war ja so gedacht, dass Überraschungen und Veränderungen möglich sind. Als ich unterwegs Tipps und Hinweise bekam, was ich mir anschauen
sollte und mir dann auch noch einfiel, wer da in der Nähe wohnt, und ich da
einen Besuch machen könnte, entstand daraus die Reiseroute.
Danke sage ich allen
Mitlesern in meinem blog (der bis heute 4299 mal angeklickt wurde), die mich auf diese Weise angespornt haben, von
meinen Erlebnissen zu berichten und Danke sage ich für die Gastfreundschaft und
die Begegnungen mit Wolfgang, Renate &
Bernhard mit Eva-Maria und Wera, Bärbel & Alex, Andreas & Kaja
mit Alberto, Amadeus und Aurelius, Michael, Knut, Anett & Karsten, Kerstin
& Norbert mit Konstantin, Karola & Albrecht mit Clara, Johanna und
Charlotte, Daniel, Guido, Felicitas & Lothar mit Stefan, Magdalene,
Harriet, Susanne, Birgit & Matthias mit Elisabeth und Emanuel sowie
Christel & Michael mit Katharina und Florian.
Mein Sabbatjahr nähert sich
langsam dem Ende und hier im Tagebuch wird es jetzt etwas ruhiger, da ich erst
einmal meine vielen Eindrücke verarbeiten werde…
„Die Erinnerung ist unsere Zukunft“ hat wohl V.E. Frankl einmal gesagt, d.h. später
(oder im Alter) haben wir nur noch das, auf was wir zurückblicken können. Ich
bin froh über die vielen Erlebnisse, Eindrücke und Begegnungen in meiner
Sabbatzeit.
Sonntag, 29. Juni 2014
Beller Kirche (42km)
Heute habe ich hier in der
Nähe von Bad Kreuznach, als ich mein Schwägerin besuchen wollte, eine spätgotische Kirchenruine entdeckt, die 300 m südlich des Dorfes Eckelsheims
„auf freiem Felde“ liegt. Über ihre Geschichte gibt es nur wenig Konkretes,
aber viele Vermutungen und Legenden.
Sie ist ein Mysterium am
Wegesrand, denn zur Herkunft ihres Namens gibt es fast ein Dutzend Theorien. Am
häufigsten genannt wird der Bezug zu den mächtigen Pappeln (=Bellen), die noch
am Anfang des 20. Jahrhunderts das Bild am Fuß der Kirche prägten. Aber auch
„Bella Maria“ im Zusammenhang mit dem Patrozinium der Kirche und der keltische
Quellengott Belenus
tauchen in aktuellen oder früheren Diskussionen auf.
Eibingen
Hier steht die
Benediktinerinnenabtei St. Hildegard, in der es sowohl eine lebendige
Schwesterngemeinschaft als auch eine Oblatengemeinschaft und einen
Freundeskreis gibt. Die Abteikirche
ist in den Jahren 1900-04 nach dem
Vorbild der alten Basiliken im romanischen Stil erbaut.
Die Heilige Hildegard erwarb
1165
in Eibingen ein
knapp zwanzig Jahre zuvor gegründetes Augustinerkloster und ließ Benediktinerinnen
einziehen, denen sie als Äbtissin vorstand, wenngleich sie selbst im Kloster
Rupertsberg auf der anderen Rheinseite blieb. Oberhalb von Eibingen wurde später
die Abtei St. Hildegard errichtet, die kirchenrechtlich die Nachfolge des
früheren Klosters Eibingen antrat.
Von dieser Abtei hat man
einen schönen Blick über den Rhein nach Bingen und hier kann man sich auch auf
Spurensuche der Hl. Hildegard von Bingen machen. Sie gilt als eine der
bedeutendsten Frauen des Mittelalters denn sie war eine der ersten
Vertreterinnen der deutschen Mystik und leistete wichtige Beiträge für
Religion, Medizin, Ethik und Kosmologie.
Der Reliquien der Hl.
Hildegard befinden sich seit 1641 in der kleinen Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Hildegard
in Eibingen, die auf den Überresten des ehemaligen Klosters errichtet wurde. Der
1929 aus Gold gefertigte Hildegardisschrein, wird jährlich zum Hildegardisfest am 17. September, dem Sterbetag der Heiligen,
in einer großen Prozession mit Besuchern aus aller Welt durch die Straßen von
Eibingen getragen.
„Doch jetzt wankt der katholische Glaube unter den Völkern und das Evangelium steht bei diesen Menschen auf schwachem Fuß. Auch die dicken Bände, welche die erfahrenen Lehrer mit großem Eifer herausgegeben hatten, lösen sich in schmählichen Überdruss auf und die Lebensspeise der göttlichen Schriften ist lau geworden. Deshalb spreche ich jetzt durch einen unberedten Menschen über die Heilige Schrift; er ist nicht von einem irdischen Lehrer belehrt, sondern ich, der ich bin, verkünde durch ihn neue Geheimnisse und viel Mystisches, das bisher in den Büchern verborgen war“.
Hidegard von Bingen, scivias, 11. vision
Samstag, 28. Juni 2014
Kloster Eberbach (99 km)
Fr. 27.06.14
Das Kloster Eberbach bei
Eltville im Rheingau gelegen wurde 1136 von dem berühmten Zisterzienserabt
Bernhard von Clairvaux als erste rechtsrheinische Niederlassung seines Ordens
gegründet. Es entwickelte sich schnell zu einem der größten und einflussreichsten
Klöster des Reichs. Während der Blütezeit im 12. und 13. Jahrhundert lebten
hier etwa 100 Mönche und 200 Laienbrüder. 1803 wurde das Kloster aufgelöst,
doch noch heute ist die Anlage in ihren wesentlichen Bauten, die den
Stilepochen der Romanik, Gotik und dem Barock angehören, erhalten.
Der Orden der Zisterzienser hat
seinen Namen von der Klostergründung in Citeaux und lebt nach der Regel des Hl.
Benedikt. Die Zisterzienser wollten ein Leben des Gebets, der Lesung und der
Arbeit führen und wollten dabei ausschließlich von ihrer eigenen Hände Arbeit leben. In
Europa gab es über 1000 Nonnenklöster und 750 Männerabteien der Zisterzienser zu den auch das Kloster
Eberbach im Rheingau gehört.
Aber heute gibt es hier
keine Mönche mehr und die Anlage wird von einer Stiftung erhalten und gepflegt.
Das Dormitorium, also der Schlafsaal der Mönche, zählt mit seinem 74 m langen Kreuzrippengewölbe zu den herausragenden mittelalterlichen Raumschöpfungen der Gotik. Vielleicht kommt Euch diese Halle bekannt vor, denn in den Jahren 1985/86 wurden hier Teile von Umberto Ecos
Roman „Der Name der Rose“ verfilmt.
„Am Ende des Romans brennt
die altehrwürdige Abtei und die Flammen vernichten alle Bücher, Kunstwerke und
Bilder. Das jahrhundertealte Erbe an allen Kostbarkeiten geht verloren. Als
nach Jahren Adson von Melk, der Berichterstatter, an den verlassenen, öden Ort
zurückkommt, macht er die Feststellung:
„stat rosa pristina nomine, nomina nuda tenemus… Die Rose von einst steht nur
noch als Name da; uns bleibt nur noch der Name. Der Name der Rose…“ Die alte Abtei hat als Heimat einer
benediktinschen Gemeinschaft längst ihre Bestimmung verloren. Was ist
geblieben? Ist das Bild der brennenden und vergehenden Abtei ein Bild für
unsere Kirche heute? Das kleine Häuflein der Übriggebliebenen versammelt sich
zwar noch, aber wo ist ihre Kraft und Zukunft? Geblieben ist der Name, das
Geheimnis aus dem auf mystische Weise wieder Neues wachsen kann.“
Frankfurt (295 km)
Am Donnerstag, 26.6. fahre ich durch eine mir
unbekannte, aber schöne und kurvenreiche Gegend und merke dabei, wie groß
Deutschland ist. Heute stehen keine weiteren Besichtigungen auf dem Programm,
damit ich nicht so spät an meinem Ziel ankomme: Es sind Birgit und Matthias
(ihr wisst schon: alte Studienfreunde). Von ihrem Balkon habe ich diesen Blick auf ein großes Heiligtum: die neue Europäische Zentralbank.
Mittwoch, 25. Juni 2014
Telgte (142 km)
Auf dem heutigen Weg komme
ich an einem Zisterzienserkloster vorbei, dass so gut im Wald versteckt ist, so
dass ich erst einmal daran vorbeigefahren bin. Zu den Idealen der
Zisterzienser, die es seit 1089 gibt, gehört die Tradition der
Abgeschiedenheit. Hier im Kloster Vinneberg lebt im Moment leider nur noch eine
Ordensschwester, aber das Kloster wird durch eine Bildungsstätte lebendig gehalten.
In der Klosterkirche finde ich diese Madonna und das folgende Vinneberger Gebet
von 1686.
Lass mich von dir, du von
Gott gesegnete
Und unter allen Frauen
gebenedeite,
an Leib und Seele gesegnet
werden.
Schenke mir die Gnade, Jesus
Christus,
deinem Sohne, hier auf Erden
so zu dienen, dass ich mit
dir einst
bei ihm zur ewgen Seligkeit
aufgenommen werde. Amen.
Mit deinem Sohn, Maria rein,
mein Schutz doch wollest
immer sein!
In Telgte entdecke ich weitere
Spuren des Glaubens im Münsterland, denn zum Gnadenbild der schmerzhaften Maria
pilgern Menschen seit dem Ende des 30jährigen Krieges. Die lebensgroße Pieta selbst
ist älter und wird auf die Zeit um 1370 datiert.
Gleich neben der
Wallfahrtskapelle befindet sich das Westfälische Museum für religiöse Kultur. Ich
finde es interessant, dass es so etwas gibt, merke aber gleich beim Betreten
des Museums, dass sich der Glaube nicht in einem Museum darstellen lässt, das
wird dann entweder Schulunterricht oder Folklore.
Im Erdgeschoss gibt es einen
Tisch der Religionen, im 1. Obergeschoss sind „Tore des Lebens“ von der Taufe
über Erwachsenwerden, Hochzeit, Tod und Jenseitsvorstellungen dargestellt und
im 2. Obergeschoss gibt es Brauchtum entsprechend den christlichen Jahresfesten
zu sehen.
Da bin ich doch eher von
Paul, dem Schwimmreifenmann beeindruckt, der hier seit 2009 badet.
In Olfen finde ich eine
Herberge bei Harriet, mit der ich im Herbst letzten Jahres fleißig Hebräisch im
Kibbutz gelernt habe (unterdessen ist sie bald besser als ich) :-(
Ihr schönes Zuhause ist
mitten im Wald, in einem kleinen (Garten-) Häuschen, von denen es hier ungefähr
500 Stück gibt, die auch dauerhaft bewohnt sind. Zum Teil auch von älteren Leuten, und da muss der Krankenwagen sich gut auskennen, um zum richtigen Platz zu finden.
Der Erzengel Michael ist mir
heute wieder begegnet, diesmal auf dem Dach des Religionsmuseums in Telgte, wie er seinen mächtigen Posaunenschall in alle vier Himmelsrichtungen erschallen lässt.
Dienstag, 24. Juni 2014
Bielefeld (141 km)
Heute gebe ich „Bielefeld“
als Zielort in mein Navi ein und lasse mich überraschen, wo es mich hinführt, denn laut der Bielefeldverschwörung gibt es die Stadt ja gar nicht.
Ich habe momentan auch keine Lust auf weitere Sehenswürdigkeiten, denn heute
möchte ich zu Magdalene (ihr wisst schon: eine ehemalige Studienfreundin,
diesmal aus Jerusalem. Allerdings war sie damals vor 20 Jahren schon älter als
ich es jetzt bin und sie war auch dabei, als wir damals mit einer kleinen
Gruppe durch Syrien reisten.) Ich bin neugierig, in welcher Verfassung ich sie
antreffe, bzw. ob sie überhaupt noch lebt, denn ich habe schon lange nichts
mehr von ihr gehört.
Mein Weg führt durch das
Weserbergland und dann ein Stück auf der Wesertalstraße entlang.
Als ich an
der, sagen wir Seniorenresidenz angekommen bin, ist gerade eine Wohngruppenleiterin
beim Getränke ausladen und ich erfahre, dass Leni noch lebt. Als ich ihr Zimmer
betrete, weiß sie aber zunächst nicht, wer ich bin. Aber die Erinnerungen kommen wieder und
sie freut sich und lächelt liebevoll, wenn ich von gemeinsamen Erlebnissen
erzähle. Sie fragt nach den Freunden von damals, wir machen einen kleinen
Spatziergang ums Haus, trinken dann auf der Bank hinter dem Haus einen Kaffe
und essen Erdbeeren. Als ich von meinem letzten Urlaub in Israel erzähle,
stellt sie immer wieder einmal eine Frage, die sie fünf Minuten vorher gerade
gestellt hat… und ihre linke Hand kann sie nicht mehr ruhig halten. Sie sagt, dass sie alt ist, aber das Zusammenleben mit den anderen
alten Menschen in dieser Wohngemeinschaft fällt ihr sehr schwer. So möchte sie nicht
alt sein. Ich frage sie zum Abschied,
ob sie noch einen Wunsch hat: "Ja", sagt sie, "dass wir uns einmal im Jahr melden".
Sie winkt an der Tür, als ich das Haus verlasse, und als ich auf mein Motorrad
steige, dass etwas weiter weg steht, sehe ich, dass sie doch noch einmal an die
Haustür gekommen ist.
Als ich losfahre beginnt es
zu regnen.
PS. Magdalene verstarb am 4.5.2016
Montag, 23. Juni 2014
Hildesheim (60 km)
Da es viel zu erzählen gibt,
entschließe ich mich noch einen Tag länger zu bleiben und mache heute nur einen
Ausflug nach Hildesheim zu der wunderschönen romanischen Kirche „St. Michael“.
Hier hat Bernward im Jahre 996 ein Benediktinerkloster auf dem Michaelishügel
gegründet. Er war der Erzieher von Kaiser Otto III und dieser schenkte ihm zur
seiner Bischofsweihe einen Splitter vom vom Kreuz Christi. Als die Kirche
gebaut war weihte sie Bischof Bernward „zu Ehren unseres Herrn und Erlösers
Jesu Christi und der heiligsten Gebärerin, der ewigen Jungfrau Maria, und des
heilbringenden Holzes des verehrungswürdigen und lebendig machenden Kreuzes
unter dem besonderen Schutz des heiligen Erzengels Michael und der ganzen
himmlischen Heerschar“.
Die Kirche ist nach einem
strengen geometrischen Bauplan errichtet, in dem eine theologisch begründete
Symbolik steckt, denn nach antiker und mittelalterlicher Auffassung soll sich
hierin die Harmonie der Schöpfung wiederspiegeln, so wie es im Buch der
Weisheit heißt: „Du hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet“ (Weish. 11,
21)
Im südlichen Seitenschiff
sind zwischen den Arkaden acht Frauenfiguren mit einem Spruchband in der Hand,
auf dem ursprünglich die Seligpreisungen aus der Bergpredigt zu lesen waren.
(wer sie vergessen hat, findet sie bei Mt. 5,3-10 wieder).
In der Krypta der Kirche,
die im Gegensatz zur evangelischen Hauptkirche noch katholisch ist, befindet
sich der Steinsarg von Bischof Bernward (aus dem Jahr 1022) und die Grabplatte
ist seit 1978 als Altar darüber aufgestellt.
Die Engelchorschranke zeigt
neben 13 Engeln auch einen Fries mit Fabelfiguren. Damals sollten die Mönche
durch die ineinander verschlungenen, ja verbissenen Fabelwesen an die
Schlechtigkeit der Welt erinnert werden, während die Engel als Hinweis zu lesen
sind, dass das Gotteslob der Mönche am ewigen himmlischen Gotteslob der Engel
teilhat.
Im Mittelschiff der Kirche
befindet sich die größte erhaltene bemalte Holzdecke, die in den Jahren 1220
-1240 von Mönchen des Klosters nach Vorbildern aus der Buchmalerei geschaffen
wurde.
Das mittlere Bleiglasfenster
im Westchor ist ein Jahr jünger als ich und zeigt den Erzengel Michael, der auf
dem Drachen des Bösen steht.
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