Sonntag, 24. Juli 2022

Domstufenfestspiele

 


„Nabucco“ stand dieses Jahr auf dem Spielplan der Domstufenfestspiele in Erfurt. Die Oper von Giuseppe Verdi sollte schon vor 2 Jahren gespielt werden, musste aber dann coronabedingt abgesagt werden. Trotzdem ist sie so aktuell wie nie zuvor. Die Handlung beginnt in Jerusalem und zeigt das Leben der Juden. König Nebukadnezar II. hat das Land überfallen und die Stadt im Jahr 597 v. Chr. erobert. Teile der jüdischen Bevölkerung wurden deportiert.

 


Giuseppe Verdi hat jedem der 4 Teile ein biblisches Zitat voran gestellt und so heißt es im Textbuch zu Beginn: „So spricht der Herr: Siehe, ich gebe diese Stadt in die Hand Nebukadnezars, des Königs zu Babel, und er wird sie mit Feuer anstecken und verbrennen. (Jeremia 32,28)

Bei der Aufführung war zur Ouvertüre war dann folgender Text auf der Übersetzungstafel zu lesen: „Ich werde euch alle vernichten“ Nabucco / Wladimir Putin“

Der Wechsel zum 2. Akt in die Babylonische Gefangenschaft vollzieht sich eindrucksvoll indem sich der Stacheldrahtzaun schließt, den ein Jude noch versucht zurückzuschieben. 

Die Oper von Verdi war seit der Uraufführung 1842 in Mailand sicher auch daher ein Erfolg, da es noch kein Italien gab, sondern verschiedene Fürstentümer unter der Vorherrschaft anderer Machthaber. 


 

Der Gefangenenchor der Hebräer mit dem Ausdruck der Sehnsucht nach der Heimat ist nicht nur das bekannteste Stück der Oper sondern auch auch die heimliche Nationalhymne der Italiener. Angelehnt ist der Text an den Psalm 137:

„An den Strömen von Babel, da saßen wir und weinten, wenn wir an Zion dachten. Wir hängten unsere Harfen an die Weiden in jenem Land. Dort verlangten von uns die Zwingherren Lieder, unsere Peiniger forderten Jubel: ‚Singt uns Lieder vom Zion!‘ Wie könnten wir singen die Lieder des Herrn, fern auf fremder Erde?“


 

Der Besuch der Domstufenfestspiele wurde diesmal umrahmt von einer Stadtführung durch das jüdische Erfurt mit Besichtigung der Mikwe ...


 
… und dem Besuch auf der Zitadelle Petersberg mit einer Führung durch die Kasematten 


 

sowie dem Besuch der Sonderausstellung „Paradiesgärten - Gartenparadiese“ in der ehemaligen Peterskirche.




Sonntag, 26. Juni 2022

Passau

 



Vergangene Woche gab es ein Wiedersehen mit vielen Kollegen von mir in Passau. In diesem Jahr bin ich nicht mit dem Motorrad zu dieser Konferenz gefahren, sondern gemütlich mit dem 9,- Euro Ticket im Bummelzug.

 


Unser Tagungshaus lag oberhalb der Stadt, gleich in der Nähe des Klosters „Mariahilf“. Zu dieser Wallfahrtskirche, führt eine überdachte Heilige Stiege mit 321 Stufen nach oben. 


 

In der Kapelle im Tagungshaus fand ich die Gestaltung der Wand in den Blautönen interessant. 

 


„Das Kreuz besteht, solange die Welt sich dreht“ steht auf Latein oben im Bild und das war der Wahlspruch eines Passauer Bischofs zu Beginn der NS-Zeit.


 Bei einem Halbtagesausflug in die die Stadt hatten wir zunächst eine kurze Drei-Flüsse-Rundfahrt.

 


 Danach gab es eine interessante Domführung und wir waren auf der Orgelempore der größten Kirchenorgel der Welt mit 233 Registern, 17.974 Pfeifen und vier Glockenspielen.


Vom Altar in der Vierung der Kirche hat man diesen Blick nach oben: Gottvater umgeben von jubilierenden Engeln.

 



Im Kreuzgang des Domes gab mir die Sonnenuhr noch einen Spruch mit für den Rückweg:

 


 



Freitag, 20. Mai 2022

ein Osterei für Putin

 


seit Längerem faszinieren mich Graffiti, welche nicht nur Hauswände verschönern, sondern auch eine Botschaft haben. Vor ein paar Tagen wurde ich in der Tageszeitung auf ein neues Kunstwerk aufmerksam gemacht. Es befindet sich an einer Brücke über den Lech und gemalt hat es Marc Sund. Bei ersten Mal hatte ich es gar nicht gefunden und so bin ich heute noch einmal zur Brücke geradelt und habe das Osterei entdeckt:



Liebevoll bemalt eine Frau eine Handgranate in den Farben der Ukraine. Es sind die einzigen Farben in dem sonst grauen Bild.

 


 

Vor meiner Haustüre ist der Park momentan wunderbar grün. Es ist die Farbe der Natur, welche wesentlich schöner ist, als die Farbe Grau, der menschlichen Zerstörung.





Sonntag, 15. Mai 2022

Barockgarten Großsedlitz



Bei meinem letzten Besuch in Radeberg war es der Wunsch meiner Mutter, einmal wieder den Barockgarten in Großsedlitz zu besuchen.

So machten wir uns auf den Weg und hielten unterwegs noch einmal für ein Foto an einem blühenden Rapsfeld an. Ich bin immer wieder beeindruckt von dem gelben Blütenmeer vor dem strahlend blauen Himmel. 


 

Da ein ausgedehnter Spaziergang für meinen Vater zu anstrengend wäre, wartete er am Eingang des Parks während ich mit meiner Mutter die Anlage bewunderte, welche sie das letzte Mal vor 60 Jahren gesehen hatte.


 

Im Anschluss daran fuhren wir nach Pirna an den Ort, wo meine Mutter groß geworden ist und wo ich als kleiner Bub gern zu Besuch bei meiner Oma war. Sie half dort in einer Bäckerei aus und ich war dort auch gern in der Backstube (wie dieses Foto beweist).

 


Das alte Regal und die Brotschalen, die ich damals in den Händen hatte, gibt es heute noch.


 

Aus der Bäckerfamilie stammt auch mein Firmpate, der dieses Amt bei meiner Firmung im Jahr 1974 übernommen hatte. Der Kontakt hat sich dann verloren aber nun habe ich ihn nach 48 Jahren wiedergetroffen. :-)


 

Samstag, 30. April 2022

Motorradfahrer-gottesdienst

 


Um gut in bzw. durch die neue Motorrad-Saison zu kommen, waren heute wieder ca. 300 Motorradfahrer zum Schloß Scherneck gekommen, um sich dort den Segen abzuholen.


 

Der HERR segne dich und behüte dich;

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig;

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden.




Sonntag, 3. April 2022

Wintereinbruch

 



mit Beginn des Aprils ist der Winter noch einmal kurz zurückgekehrt und verdirbt den Motorradfahrern die Lust am Reisen. Dafür haben die Kinder noch einmal Freude beim Schneemann-bauen.


 

Zitate des Tages: „Corona-Lockerungen: Die Fallzahlen sind so hoch wie nie (die 7-Tage-Inzidenz beträgt ca. 1500) , trotzdem fallen nun fast alle Maßnahmen.“ (die Zeit)  Ich bin gespannt, wo die Reise hingeht.




Tag 39 seit Kriegsbeginn: „Nach dem Rückzug russischer Truppen wurden in dem Kiewer Vorort Butscha zahlreiche Tote entdeckt. Von einem „Massaker“ ist die Rede.“ (Berliner Morgenpost)

Sonntag, 27. März 2022

Mit dem Fahrrad

 


Mit dem Fahrrad bin ich heute auf der B17 durch Augsburg gefahren; da wo ich sonst nur mit dem Auto entlangfahre oder manchmal auch im Stau stehe.


Heute haben über 300 Fahrräder die B17 „autofrei“ gemacht. Zumindest für eine Stunde, um darauf hinzuweisen, dass wir vielleicht doch einmal langsam über eine Verkehrswende und über mehr Klimagerechtigkeit nachdenken sollten. 

  

 


 

Samstag, 19. März 2022

Saisoneröffnung

 


Vor Kurzem habe ich mein Moped aus dem Winterschlaf erweckt und heute habe ich zusammen mit Erich den ersten Ausflug in diesem Jahr gemacht.

Das erste Ziel war die Kapelle von Frank Lattke in Oberbechingen. Es ist eine weitere von den „Sieben Wegkapellen“, die markant in freier Landschaft steht. Die Eckpfosten im Inneren der Kapelle erinnern an ein filigranes Kreuzrippengewölbe. 




Dann ging es weiter nach Gundelfingen zu einer weiteren Kapelle. Entworfen von Hans Engel war sie die erste von den 7 Kapellen, die fertig gestellt wurde und für mich die letzte, also die Siebente, die ich besucht habe.


 

Die Kapelle hat einen quadratischen Grundriss und erinnert an einen kleinen römischen Tempel. 

 


 An den raumhohen Glaswänden entdecke ich verschiedene Sprüche, die zum Nachdenken anregen. 



Aus den Sprüchen der Väter gibt es auch ein Zitat. Obwohl es ca. 2000 Jahre alt ist, ist es aktuell wie nie zuvor:

„Auf drei Dinge ist der Bestand der Welt begründet: auf Wahrheit, auf Recht und auf Frieden“ 

Sprüche der Väter 1, 18.

 

Auf dem Rückweg nach Hause kommen wir noch einmal bei alten Bekannten vorbei.

 


 Ich hatte sie bereit im Herbst 2020 besucht. Unterdessen haben sie sogar noch einmal ihren Platz verlassen und sind ein Stück weiter, bzw. zurück gerückt: vgl.:

goodbye Lenin

PS. damals hatten wir eine Inzidenz von 200. Heute beträgt sie in Bayern über 2000. Weltweit sind unterdessen über 6 Millionen Menschen mit oder an Corona gestorben. 



Dienstag, 1. März 2022

Der Virus

 

Die Corona- Inzidenzzahlen sinken Gott sei Dank wieder, d.h. der Scheitelpunkt der Omikron-Welle ist wohl überschritten, aber wir befinden uns noch auf einem hohen Niveau. In Augsburg gibt es derzeit über 10.000 positive Fälle und bei der heutigen Meldung der Neu-infizierten bin ich auch dabei gewesen. :-(

Fast unbemerkt endet heute die Faschingszeit und daher hier noch Gedicht von Heinz Erhardt:

„Der Virus

Weil wir doch am Leben kleben,

muss man abends einen heben.

So ein Virus ist geschockt,

wenn man ihn mit Whiskey blockt.

Auch gegorner Rebensaft

einen gesunden Körper schafft.

Auch das Bier, in großen Mengen,

wird den Virus arg versengen.

Wodka, Rum und Aquavit

Halten Herz und Lunge fit.

Calvados und auch der Grappa

Helfen Mutti und dem Papa.

Ich will hier nicht für Trunksucht werben,

doch nüchtern will ich auch nicht sterben.“


Also bleibt gesund!

und ich hoffe, dass ich es bald wieder bin. - Helau!

 

PS.: Schlagzeile vom 24. Februar: „Der Krieg beginnt. Russische Panzer stoßen ohne Kriegserklärung in die ehemalige Sowjetrepublik vor“

Donnerstag, 27. Januar 2022

Geburtstag

 


Das Virus hat heute in Deutschland seinen 2. Geburtstag. Dazu gibt es auch passend zwei neue Rekorde:

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen hat die 200 000 überschritten und 7-Tage-Inszidenz ist größer als 1000. Aber Gott sei Dank ist die Hospitalisierungsrate gering und die Intensivbetten sind (noch) nicht ausgelastet. 


 PS.: Meinen Geburtstag habe ich eine Woche später mit Freunden gefeiert. Statt Geschenken gab es von Jedem einen kleinen Beitrag zur Mitfinanzierung eines VW-Busses für einen ehemaligen Mitstudenten von mir, der jetzt in Russland als Priester tätig ist. So konnte ich ihm 500,- Euro überweisen. Danke allen für ihren Beitrag.

Blog von Pfr. B. Marschner in Russland


 


Und wer jetzt traurig ist, dass die Party vorbei ist, der findet Trost in der Weltschmerz-apotheke:

https://weltschmerzapotheke.de/

Mittwoch, 26. Januar 2022

Zug fährt ab

 

Der Intercity Zug IC 2440 braucht momentan für die Strecke von Dresden nach Leipzig zwei Stunden.
Zwei Stunden durch das Hinterland, da bei Riesa eine Baustelle ist. So lerne ich auch mein alte Heimat
 ein wenig kennen. Es geht über Doberlug-Kirchhain vorbei an Bad Liebenwerda, wo ich zu Armeezeiten
 den Schießplatz kennenlernen durfte, und dann bei Torgau wieder über die Elbe. 
Ab und zu hält der Zug, aber nur auf freiem Felde; einen planmäßigen Stopp zum Ein- und Aussteigen gibt es nicht. Ich sehe, wie ein Fuchs übers Feld läuft und ich bin bereits Lieblingsgast der Bahn.  
 
 Irgendwann erreichen wir Leipzig.
 

Dann geht es wieder „normal“ weiter: 39 Minuten braucht der Zug von Leipzig bis Erfurt (150 km) und  
knapp 3 Stunden von Erfurt nach Augsburg (400 km). Im Zug habe ich genügend Zeit, in Ruhe noch einmal
die vergangenen Tage Revue passieren lassen:
Kurzentschlossen sind wir mit dem Zug zu Freunden nach Erfurt gefahren. Eine Rückfahrkarte hatten wir noch nicht. Das war die erste (göttliche?) Fügung, denn als ich am nächsten Tag mit meiner Mutter telefonierte, stellte es sich heraus, dass es gut wäre, auch meinen Eltern einen Besuch abzustatten.

So ging meine Reise dann weiter nach Radeberg, während Moni wieder nach Augsburg zurück gefahren ist. Die zweite Fügung war, dass ich dabei sein konnte, als der Pflegedienst seinen Kontrollbesuch machte, nachdem er seinen ursprünglichen Termin verschoben hatte.

Erleichtert und froh waren meine Eltern über meinen Besuch und so sitze ich 3 Tage später wieder im Urlaubsmodus im Zug, der mich zurück nach Augsburg bringt. Mit 250 km/h geht es durch den Thüringer Wald und als wir zwischen den einzelnen Tunneln kurzzeitig auftauchen, bin ich überrascht, dass die Landschaft draußen plötzlich für kurze Zeit weiß verschneit ist.
Die Zeiten zum Umsteigen nutze ich, um die Bahnhöfe zu erkunden. Im Bahnhof Dresden-Neustadt entdecke ich neben dem großen Porzellan-Wandbild mit der Darstellung von Sehenswürdigkeiten im Dresdner Raum auch eine Gedenktafel, welche an die Deportation von unzähligen Juden mit der Bahn erinnert.  

(Das ist übrigens ein Grund, warum in Israel zunächst das Busnetz anstelle der Bahn ausgebaut worden ist. Erst seit kurzem werden in Israel auch Strecken für die Bahn gebaut.)
Acht Stunden, nachdem ich die Wohnung meiner Eltern verlassen habe, bin ich wieder glücklich daheim in meinen eigenen vier Wänden.