Jahresrundbrief 2024
Liebe Freunde und Bekannte,
ermutigt und angeregt dadurch, dass mir einige (wenige) Freunde ihren Jahresrückblick geschickt haben, will ich es denn hiermit auch tun, denn ich finde es toll, am Leben anderer lieber Menschen Anteil zu nehmen.
Das Jahr 2024 war im Rückblick doch ziemlich ereignisreich für mich:
Als erstes möchte ich hier den Tod meinesVaters erwähnen, der am 28.Oktober 2024 friedlich eingeschlafen ist. Kurz nachdem er seinen letzten Atemzug gemacht hatte, durfte ich zusammen mit meiner Mutter in seiner Todesstunde bei ihm sein.
Der Herr schenke ihm die ewige Ruhe und vergilt ihm, was er alles für uns an Gutem getan hat.
Neun Monate war er im Pflegeheim, nachdem er kurz nach seinem 90.Geburtstag ins Krankenhaus gekommen war. Von dort kehrte er nie wieder nach Hause zurück. So hatten wir neun Monate Zeit, von ihm Abschied zu nehmen. Beerdigt haben wir ihn dann am 8.11.2024 in Radeberg.
Das zweite prägende Ereignis war der Tag X, auf den ich seit Monatengewartet habe und der sich vier Tage vor dem Tod meines Vaters ereignete: Die Staatsanwaltschaft marschierte in die JVA Gablingen ein, da das menschenverachtende Handeln der stellvertretenden Leiterin, einer 37 Jahre jungen Juristin, die ihren Namen derzeit nirgendwo lesen möchte, alle Grenzen schon lange und sehr weit überschritten hat.
Leider im Mitwissen und mit der Rückendeckung im zuständigen Ministerium. Eine Rückendeckung, die wir Seelsorger in diesem Skandalgefängnis vergebens bei der Kirchenleitung gesucht haben. Unser evangelischer Kollege, Pfarrer Peter Trapp hat seine Stelle verloren und viele andere Kollegen haben das Weite gesucht, bevor sie krank werden, bzw. sie sind es geworden.
„In
Zeiten globalen Betrugs gilt es als revolutionäre Tat,
wenn man
die Wahrheit sagt.“
(Georg
Orwell)
Gott sei Dank hält uns die Presse auf dem Laufenden:
Skandal in JVA GablingenImmer wieder war es für mich daher lebensnotwendig, Abstand zu der „Hölle des Südens“ zu bekommen. So entschloss ich mich im Frühjahr kurzerhand, zum 50-jährigen Jubiläum des Studienjahres, (an dem ich vor 30 Jahren teilgenommen hatte) nach Jerusalem zu fliegen. Vor 179 Tagen hatte der Gaza-Krieg mit dem brutalen Überfall auf Israel begonnen und seitdem sind viele Geiseln in der Hand der Hamas. Aber Gaza ist ja von Jerusalem ein paar Kilometer entfernt und die Raketen aus dem Iran, die bereits erwartet wurden, kamen erst nachdem ich schon wieder eine Woche in Deutschland zurück war.
Die Zeit in Israel war trotz allem beeindruckend. Zuerst natürlich durch die Feierlichkeiten auf dem Zion und das Wiedersehen mit ehemaligen Studenten und dann dadurch, fast der einzige Tourist in diesem Land zu sein. D.h. kein Anstehen und Warten an den vielen Sehenswürdigkeiten und Heiligen Stätten.
An dieser Stelle möchte ich die Worte des deutschen Botschafters Steffen Seibert aus dem Grußwort zur Festveranstaltung erwähnen, der sagt, dass „unsere Welt an Gewalt und Rassismus, Intoleranz und Dialogverweigerung leidet. Dem müssen wir uns entgegenstellen, in dem wir für gemeinsame Werte wie Respekt und Vertrauen werben.“ Die politische Situation ist nach wie vor komplex. In Schablonen wie „gut“ und „böse“ zu denken, spiegelt die Realität nicht annähernd wieder.
(ein paar Bilder der Israel-Reise gibt es im fast einzigen Blogbeitrag von 2024:
Im Januar mussten wir Abschied von unserem Toyota Prius nehmen. 18 Jahre ist er alt geworden und er hat uns nie im Stich gelassen. Kurz vor Erreichen der 300.000 km hatte ich unverschuldet einen Unfall, bei dem eigentlich nur die hintere Stoßstange kaputt war. Da der Gutachter einen wirtschaftlichen Totalschaden attestiert hatte, habe ich mich zunächst lange über alle geärgert, die nun mit unserem Auto Geld verdienen wollten: die Werkstätten, die Versicherungen, die Rechtsanwälte, ...
Als dann unsere Rechtsanwältin festgestellt hat, dass im Gutachten steht, dass das Auto nicht mehr verkehrstüchtig ist (nachdem wir weiterhin damit mehrere 1000 km gefahren sind), habe ich mich dann doch entschlossen, endlich ein neues Gebrauchtes zu kaufen. Es ist wieder ein Prius. Mit der letzten Tankfüllung hatte ich einen Durchschnittsverbrauch von 1,4 Liter / 100 km. Bis zur JVA Gablingen und zurück fahre ich jetzt rein elektrisch – und das macht Spaß. :-) (der Stromverbrauch liegt bei 12 kWh / 100 km). Bis in meine alte Heimat muss ich dann auch schon mal an die Tankstelle fahren, auch wenn wir jetzt ein E-kennzeichen haben.
Und wir sind ein paar Mal nach Radeberg gefahren, um meinen Vater im Pflegeheim zu besuchen und um zu schauen, wie es meiner Mutter geht. Von dort aus gab es dann Besuche in Dresden, in Pillnitz oder in Pirna zusammen mit meiner Mutter, die sich sehr darüber freute.
Gefreut hat sie sich auch, als wir uns in Heiligenstadt getroffen haben, um dort gemeinsam ein paar Tage Urlaub in der Therme zu machen. Sie kam mit dem Zug von daheim und wir mit dem neuen Prius von Erfurt, wo wir zuvor beim Katholikentag gewesen sind. Bei dieser Großveranstaltung gab es viele geplante und zufällige Treffen mit Freunden und Bekannten. Wie schön.
Mit unseren Erfurter Freunden und mit meiner Mutter machten wir dann eine Fahrt auf der schönsten Draisinenstrecke Deutschlands. Das war schon lange mein Wunsch und das kann ich nur weiter empfehlen:
Mit Monika war ich direkt nach demKatholikentag noch ein paar Urlaubstage im Harz. Der Brocken stand schon seit einer Weile auf meiner Löffelliste. Da sind wir allerdings nicht mit dem Auto hoch gekommen, sondern noch viel besser: mit der Eisenbahn, die dort fahrplanmäßig unter Dampf fährt. Da wurden bei mir Kindheitserinnerungen wach, da ich die Abteilfenster öffnen und sogar bei der Fahrt auf der Plattform im Freien mitfahren konnte.
An der Rappbodetalsperre gab es „Harzdrenalin“, also Adrenalin im Harz. Ich fand es beeindruckend über die Hängebrücke direkt neben der Staumauer zu gehen und Monika hat sich noch einen Flug mit der Mega-Zipline 120m über dem Abgrund der Talsperre gegönnt:
Es gab noch weitere schöne und traurige Erlebnisse im vergangenen Jahr, die ich hier nur kurz erwähne:
Im vergangen Jahr feierte Monika mit vielen lieben Freunden ihren 65-ten und ich meinen 60.Geburtstag. Danke an alle, die zu diesem Anlass für die „Fazenda da Esperanca“ gespendet haben. So konnte ich für den „Hof der Hoffnung“ 700,-Euro über das Bonifatiuswerk überweisen. https://www.bonifatiuswerk.de/fazenda-da-esperanca/
Im vergangenen Jahr waren wir auch wieder bei den Domstufenfestspielen in Erfurt und haben „Anatevka“ gesehen. Meine Mutter war (neben dem Sandmännchen) auch dabei.
Nach der Hochzeit von Carolin und Markus, einer Nichte von Monika in der Nähe von Freiburg blieben wir noch einen Tag und besichtigten in Colmar den Isenheimer Altar.
Mein Studienfreund Matthias hatte uns zu seiner Silberhochzeit in den Taunus eingeladen. So verbrachten wir ein Wochenende bei Monikas Schwester Christel und fuhren von dort zur Silberhochzeit, die Birgit und Matthias im Kreis vieler Theologen feierte.
Monika liebt ABBA und musste unbedingt noch einmal das virtuelle Konzert in der eigens erbauten ABBA Arena sehen. Daher flog sie diesmal mit Christel und ihrer Schwägerin Joana und den zwei Töchtern nach London. Die Mädchen waren begeistert und alle hatten echt Freude miteinander gehabt. Nicht nur beim Konzert, sondern auch auf der Aussichtsplattform des höchsten Gebäudes der Stadt (the shard) in 230 Meter Höhe.
Im Juli war Monika zu einer Augen-Akupunktur bei einem Heilpraktiker in Erfurt, um ihre immer schlechter werdende Sehleistung zu behandeln. In dieser Zeit hat sie bei unseren Freuden (die auch Monika und Michael heißen) gewohnt und mit ihnen eine gute Zeit erlebt. Im gleichen Monat starb der Mann von Monikas Schwester Anneliese. Diese war anschließend öfter bei uns zu Besuch und so verbrachten die beiden Schwestern soviel Zeit miteinander wie noch nie in ihrem Leben.
Ehe wir uns versehen hatten, war das Jahr doch recht gefüllt und ich schließe mit den Worten von Dag Hammarskjöld:
„Dem Vergangenen Dank, dem Kommenden Ja“.